Zum Licht geht es durch die Nacht

By Jan | Spiritualität

Feb 07

Die Entwicklung von Seele und Geist geht nicht linear vonstatten, sondern ist von einzelnen sehr unterschiedlichen Phasen geprägt. Im Johannesbrief des Neuen Testament werden „Kinder, Jünglinge und Väter / Mütter“ im Glauben erwähnt.

Wenn wir nicht in den ersten beiden Entwicklungsphasen stecken bleiben wollen, brauchen wir viel Mut und auch innere Aufmerksamkeit. Denn um ein Vater oder eine Mutter des Glaubens zu werden, bedarf es in aller Regel einer Krise, einer tiefen Verwandlung, die uns immer auch mit unseren tiefsten Ängsten konfrontiert.

Warum ist das so?

Wenn wir davon ausgehen, dass das Ziel unseres Glaubens das „Wachsen in der Liebe“ ist, dann beginnt die Reise mit Gott mit einer Art Verliebtsein.  Wenn ich in einen Menschen verliebt bin, dann geschieht das durch eine Verengung meiner Wahrnehmung. Für eine bestimmte Zeit verengt sich mein Blickfeld und ich sehe die Person meiner Begierde wie in einem Vergrößerungsglas. Bestimmte Aspekte werden ausgeblendet, andere vergrößert. Verliebtsein ist also eine Art vorübergehende Bewusstseinsstörung.  Das geht so einige Monate, dann erweitert sich unser Blickfeld wieder und wir können den Menschen mehr so sehen, wie er wirklich ist.  Dann beginnt das Wachsen in der Liebe.

Hinzu kommt auch, dass vieles von unseren Vorstellungen von Menschen Teil unserer Projektion ist. Meine tiefsten Ängste und größten Hoffnungen lege ich oft in andere Menschen hinein.

Genauso ist es auch in unserer Beziehung zu Gott. Am Anfang steht die „erste Liebe“. Ich bin von Gott ergriffen, vielleicht sogar begeistert – ich sehe dadurch die ganze Welt mit neuen Augen.  Aber auch hier ist es wichtig, dass sich mein Blickfeld langsam wieder erweitert. Dass ich Gott mehr so sehe, wie er wirklich ist.  Und das heißt auch, dass ich mit der Zeit immer mehr von meinen Projektionen ihm gegenüber befreit werde.

Liebe heißt, dass ich den anderen immer mehr so annehmen kann, wie er wirklich ist und nicht, wie ich ihn (oder sie) haben will.

Irgendwann ist die Seele bereit für einen nächsten großen Schritt: Gott mehr so zu erkennen, wie er wirklich ist. „Nacht der Seele“ wird diese Phase oft genannt, weil wir in dieser Phase mit unseren tiefsten Ängsten konfrontiert werden. Denn jede Projektion hat auch eine Verbindung mit unseren Grundängsten.

In der Bibel finden wir manche Biographien von Menschen, die diese umwälzende Krise erfahren haben – und dann als „Vater“ oder „Mutter“ des Glaubens hervorgegangen sind.

Ein schönes Beispiel ist Jakob.  Von Geburt an ein Trixer und auf der Flucht vor Esau. Esau steht für die archaische, wilde Seite die für Jakob immer schon eine Bedrohung war. 2/3 seines Lebens war Jakob auf der Flucht vor Esau. Bis es zur „Dunklen Nacht der Seele“ am Fluss Jabok kam.  Da rang eine Gestalt mit ihm – so heißt es in 1. Mose 32,23-29. Ein Kampf, der wohl mehrer Stunden andauerte und einen verwundeten und erleuchteten Jakob hervorbrachte.  Nach diesem Kampf konnte er Esau entgegengehen, frei von seiner Jahrelangen Angst. Der für mich schönste Vers in dieser Geschichte ist die direkte Begegnung zwischen Jakob und Esau. Jakob sagte: ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht.  Das, wovor er sein Leben lang weggerannt war, konnte er jetzt annehmen. Nicht nur annehmen, sondern sogar Gott darin sehen. Die Versöhnung mit seinem Schatten, mit seinen tiefsten Ängsten.

Nur was angenommen worden ist, kann auch erlöst werden.

Welch eine spannende Reise der Weg mit Gott doch ist!

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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