Warum ich „keine“ Nachrichten mehr schaue

By Jan | Achtsamkeit

Apr 11
Nachrichten

Die Nachrichten verfolgen ist eine üble Sache.

Inzwischen weiß man, dass das intensive Verfolgen von Nachrichten die Ursachen von Stress, Angst und Unruhe sind. Immer mehr Menschen versuchen es mit einer neuartige Form der Askese:

Die Nachrichtenabstinenz.

Sie vermeidet unnötige Aufregung, Ängste und Sorgen.

Aber….

alles einfach abschalten können wir ja auch nicht, denn man muss ja informiert sein, oder?

Wie sollen wir denn ohne ausreichende Information wissen, womit wir unseren Teil zur positiven Veränderung der Welt beitragen können? Und wie sähe unsere Welt aus, wenn jeder sich einfach nur ein möglichst entspanntes und stressfreies Leben macht? Wie sieht es dann mit unserer Demokratie, mit unseren Werten aus? Werden wir nicht zu willenlosen Objekten mit dieser unpolitischen Haltung? Und werden überannt von Dingen, die wir eigentlich gar nicht wollen?

Ich kenne jemanden, der diese Nachrichten-Askese schon lange und sehr konsequent durchführt.

Selten ließt er Zeitung – und wenn, dann nur sehr gezielt – aber er meidet strikt aktuelle Nachrichtenthemen, die Aufregung und Sensationen mit sich bringen. Also eigentlich alles, was im Moment so auf der Bühne der Welt passiert. Er habe sozusagen einfach die Aufregung abgeschaltet. Stattdessen liest er lieber gezielt gute Magazine oder Bücher, die ihn persönlich weiterbringen.

Wirklich einschneidenden Ereignisse wie ein spürbare Steuererhöhung, Terroranschlag in seinem Viertel oder Großbrände würde er schon mitkriegen.

Der Einzelne hat nur wenig Einfluss

Seine Überlegung war: wie groß ist mein persönlicher Einfluss auf das Weltgeschehen wirklich?

Auf einer Punkteskala von 0 (gar kein Einfluss) bis 10 (großer Einfluss, wie Gott), wo liegt hier wohl mein Potenzial an Einfluss?

Was denkst du?

Ich habe nachgedacht und komme wahrscheinlich auf dasselbe Ergebnis wie du.

Dennoch bin ich mir sicher, dass dieser geringe Einfluss trotzdem wichtig ist. Ob ich wählen gehe, hier und da ethisch konsumiere oder mich für bestimmte Organisationen einsetze – für sich allein gesehen wird das wahrscheinlich keinen großen Einfluss haben. Aber zusammen gesehen, wenn alle ihren persönlich möglichen Einfluss umsetzen, kann man politisch oder gesellschaftlich einiges bewegen. Darüber sagt die Punkteskala des persönlichen Einflusses nichts aus.

Keine Nachrichten mehr – wirklich ein ratsamer Weg?

Ich habe mich entschieden, radikal auf die zahlreichen negativen Nachrichten zu verzichten, keine Nachrichten „wiederholt“ zu sehen/lesen/ hören und sie mit einer achtsamen Haltung zu betrachten.

Und ich habe das Maß deutlich eingeschränkt.

Hier gebe ich dir meine hauptsächlichen Gründe, warum ich den Nachrichtenkonsum deutlich eingeschränkt habe:

1. Negative Nachrichten machen süchtig

Für viele Menschen sind die Nachrichten wie eine Art Droge. Und jede Sucht schränkt uns in unserer Freiheit ein und nimmt uns Macht über unser Leben.

Du glaubst, Du bist nicht süchtig?

Dann versuch doch mal, einen Tag ohne Nachrichten auszukommen. Dann eine ganze Woche … müsste doch leicht möglich sein, wenn Du nicht abhängig bist.

Viele Menschen schauen die Nachrichten auch, um sich von ihrem eigenen Leben abzulenken. Sie füllen ihren Kopf so voll mit negativen Geschichten, dass kein Platz mehr für ihre eigenen Sorgen bleibt. Und deshalb brauchen sie immer mehr davon. Es ist nie gut, wenn wir vor unseren Problemen flüchten. Deshalb sollten wir damit aufhören.

2. Nachrichten sind unwichtig

Überlege mal: Haben sie dir jemals dabei geholfen, eine bessere Entscheidung zu treffen? Selbst wenn du mal etwas erfahren hast, das dich betrifft und dir weiterhilft … wie viele Berge Müll musstest du dir für diesen Krümel Erkenntnis reinziehen?

Meist sind es aus dem Zusammenhang gerissene Fetzen Wahrheit oder Unwahrheit. Es gibt viel weniger Flugzeugabstürze und Tote durch die Schweinepest, als uns die Medien glauben lassen. Sie tun dies, weil sich Dramatisches und Spektakuläres so viel besser verkauft.

Die großen, die wichtigen Geschehnisse und Zusammenhänge bleiben uns durch diese Verzerrungen verborgen.

3. Nachrichten erzeugen Angst

Wenn wir jeden Tag hören, was für böse Menschen es auf der Welt gibt, dann verlieren wir irgendwann den Glauben an das Gute.

Immer mehr Menschen haben Angst vor einem Terroranschlag: „Ich vermeide große Menschenansammlungen, da kann immer was passieren.“

Wenn wir jeden Tag mit solchen Nachrichten gefüttert werden ist das auch kein Wunder. Natürlich kommt uns dann die Welt wie ein kalter Ort vor und wir konzentrieren uns nur noch auf das Schlechte.

Es ist auf jeden Fall wahrscheinlicher, dass man von einem Auto überfahren wird, als dass man von einem Terroristen getötet wird!

Sowieso passieren gerade Zuhause die meisten Unfälle. Diese Angst ist also einfach unnötig! Für jede negative Story gibt es mindestens zwei positive! Die Welt ist nicht so schlecht, wie sie uns immer dargestellt wird. Sie ist sogar friedlicher als früher! Warum sich also auf das Negative konzentrieren?

4. Nachrichten prägen auf Dauer ein negatives Denken

Nicht wenige schalten schon in der Früh das Radio oder den Fernseher an und hören, wie ein junger Mann seine Frau und seine beiden Kinder umgebracht hat. Wie soll dabei ein positiver Tagesbeginn stattfinden? Wir versauen uns damit unsere Laune und ziehen Negatives weiter an.

Solche Nachrichten in der Frühe, wenn unser Unterbewusstsein noch sehr empfänglich ist, vergiftet uns. In unserem Körper wird Cortisol ausgeschüttet und schwächt unser Immunsystem. Die Folgen:

Dauerstress, Nervosität, Anfälligkeit für Infekte, Verdauungsstörungen, gestörtes Wachstum von Zellen, Knochen und Haaren….

Das Gegengift ist übrigens Dankbarkeit!

5. Zeitverschwendung

Wir leben dieses Leben nur einmal und wir sollten es vollkommen ausnutzen und nicht damit verschwenden, auf dem Sofa zu sitzen und von einem Gerät diktiert zu werden.

Hier mal fünf Minuten, da 15 und hier eine halbe Stunde. Da kommt ganz unschön was zusammen.

Was könntest du mit dieser Zeit anfangen? In derselben Zeit könnten wir auch sinnvollere Sachen machen als unseren Kopf mit Angst und Hass befüllen zu lassen. Etwas, dass wir lieben zu tun. Sport zum Beispiel. Einen schönen Film sehen, Freunde treffen, Musik hören, Pläne machen, rausgehen, Meditieren, neue Leute kennen lernen…

Oder ein zweites Standbein aufbauen, um irgendwann von deiner Leidenschaft leben zu können…

Zum Schluss ein paar Fragen, die für deine eigene Reflexion hilfreich sein können:

Warum schaust du Nachrichten? Wie stark sind folgende Faktoren ausschlaggebend?

  • Langeweile und Neugier, die gestillt werden wollen.
  • Ablenkung von einer anstrengenden Tätigkeit.
  • Ein Gefühl der „Erholung“
  • Das Gefühl, dass es mir besser geht als vielen Schicksalsgeplagten da draußen.
  • Das Gefühl, nichts Wichtiges zu verpassen.
  • …?

PS: bitte gebt mir bescheid, wenn ein neues Universum entdeckt worden ist oder ich den Friedensnobelpreis verliehen bekommen habe.

Und hier noch ein Video, wie man alternativ zum Nachrichten-Schauen den Tag beginnen kann:

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Jan und Susanne von Wille