Schlechte Laune – wie du sie mit Achtsamkeit auflösen kannst

By Jan | Achtsamkeit

Nov 14
Emotion und Meditation

Immer fröhlich und gute Laune haben – das ist uns Menschen nicht gegeben. Es würde uns sogar etwas fehlen.

Negative“ Emotionen haben nämlich auch ihren Sinn.

So ein bisschen Melancholie im Herbst, bei dem man sich dem Seelenschmerz bei einem Tee oder Glas Wein hingeben kann – das hat was. Nicht jede schlechte Laune sollte man sofort „reparieren“.

Dunkle oder „negative“ Emotionen sind wichtig und hilfreich, weil sie uns anzeigen, dass etwas nicht ganz rund läuft.

Es gibt aber auch Emotionen, die wir nicht einordnen können und für uns auch keinen Sinn machen.

Dafür gibt es so manche „Gute-Laune-Tricks“:

Musik hören, lachen, lustige Filme kucken, in die Natur gehen, Freunde treffen, Schokolade bzw. Bananen essen oder einem Hobby nachgehen.

Aber was, wenn das Gefühl tiefer sitzt und du nicht richtig rann kommst?

Der ungewöhnliche Weg

Hier möchte ich dir einen etwas ungewöhnlichen Ansatz vorstellen. Ungewöhnlich, weil er dir eine andere Perspektive auf den Umgang mit deinen Gefühlen und Stimmungen gibt. Eine Perspektive, durch die du nicht nur deine Laune sondern deine Lebensatmosphäre dauerhaft und vor allem nachhaltig verbesserst.

Ich beginne mit einer Frage:

Was glaubst du, ist der Auslöser für deine schlechte Laune oder deine belastenden Gefühle?

Deine Persönlichkeit?

Deine äußeren Umstände?

Ja und nein – denn sie sind nur die Auslöser!

Denn Gefühle, auch deine schlechte Laune, nimmst du immer

in dir wahr.

Sie können durchaus von äußeren Umständen ausgelöst werden. Aber spüren kannst du sie immer nur in dir.  

Der tatsächliche Auslöser für schlechte Laune

Nicht deine Gefühle sind es, die schlechte Laune und damit dein „Leid“ erzeugen. Es ist dein Widerstand gegen diese Gefühle, der in dir die unangenehme Spannung erzeugt.   Du glaubst das nicht? Dann lade ich dich zu einem Gedankenexperiment ein.

Vier Schritte, durch die du eine neue, heilsame Perspektive bekommst:

 

1. Was deine Gefühle mit einem Handy gemeinsam haben

Handy und emotion

Fokussiere dich grad mal auf irgendein Objekt.

Z.B. dein Handy (das ist wahrscheinlich am naheliegendsten 😉

Und nun mach dir bewusst:

Zwischen deinem Handy und deinen Gefühlen gibt es „keinen“ Unterschied.

Beides sind Objekte, die du mit deinem Bewusstsein wahrnimmst.

Der „einzige“ Unterschied:

Gegen das eine leistest du Widerstand, und das andere nimmst du nur wahr.

 

Wie reagieren wir in der Regel auf physischen Schmerz?

Wenn du den Finger auf eine heiße Herdplatte legst, ziehst du ihn reflexartig zurück. Die natürliche Reaktion unseres Organismus ist, physischen Schmerz zu vermeiden.

Auch psychischen Schmerz würden wir am liebsten vermeiden, was oft nicht klappt. Nehmen wir zum Beispiel das Ende einer Beziehung als Auslöser für psychischen Schmerz:

Wenn eine Beziehung einmal aus ist, löst innerhalb der ersten Wochen jeder Gedanke an die vergangene Beziehung Schmerz aus. Schmerz ist überall:

In der Wohnung, gemeinsame Erinnerungen oder Orte, die man gemeinsam besucht hat.

Erst wenn wir die schmerzhaften Gefühle ohne Widerstand und wertfrei wahrnehmen, nehmen sie ihren natürlichen Verlauf.

Sie steigen an, sinken ab und verschwinden wieder ganz.

Solange wir aber die Gefühle vermeiden wollen, sie unterdrücken oder betäuben, können die Gefühle nicht verarbeitet werden.

Sie fließen nicht ab…

2. Entspannung in deine Gefühle bringen.

In dem Moment, in dem du deine Gefühle so gleichmütig und gelassen betrachten kannst wie dein Handy oder einen Kugelschreiber, holst du wirkliche Entspannung und Lebensfreude in dein Leben.

Es hört sich revolutionär an – und ist es auch:

Wenn du verstehst, dass ein Gefühl erst einmal ein weiteres Objekt in deiner Wahrnehmung ist, dann bist du frei.

Schlechte Laune und blockierende Gefühle werden dich nicht mehr dauerhaft gefangen nehmen.

Bevor ich zum dritten Schritt komme möchte ich wiederholen:

In dem Moment, in dem du erkennst, dass es zwischen einem Gefühl und jedem anderen Objekt, das du wahrnimmst, keinen Unterschied gibt, bist du frei. Wenn du keinen Widerstand aufbaust, wird es schnell aufhören, Leid in deinem Leben zu erzeugen. Wie kommen wir da nun hin?

3. Gefühle wahrnehmen – so, wie sie sind

Emotionen wechseln

Wie schaffen wir es, einen entspannten und gelassenen Umgang mit unseren Gefühlen in unser Leben zu holen, anstatt stundenlang schlechte Laune zu haben?

Wende dich deinem Gefühl mit Achtsamkeit zu. Mache genau das Gegenteil vom dem, was du vielleicht bisher immer wieder gemacht hast. Anstatt zu flüchten, in Ablenkungen und Schuldzuweisungen, spüre in das Gefühl rein.

In dem Moment, in dem du genau spürst, was du gerade in dir wahrnimmst und darauf weder reagierst, noch es bewertest, bist du frei.

In diesem Moment akzeptierst du dich vollkommen so, wie du bist. So entsteht wahres Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz. So hört das Leiden auf. Das funktioniert übrigens nicht mit dem Kopf.

Du musst es mit deinen Sinnen (also in deinem Körper) wahrnehmen. Wahrnehmen ohne Reaktion und ohne Nachdenken.

Gehst du nicht in Widerstand gegen das, was du gerade wahrnimmst, gehst du auch nicht in den Widerstand gegen dich. Dann lebst du im Moment. Du spürst dich einfach nur von Moment zu Moment selbst.

Das braucht in der Regel etwas Übung, denn der „normale“ Weg geht über das Denken, Grübeln, Analysieren…

 

 

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Beginne mit deinen Körperempfindungen

Eine Emotion ist eine körperliche Reaktion auf ein inneres oder äußeres Ereignis. Sie ist die Resonanz auf körperlicher Ebene. Möchtest du ausgeglichener mit deinen Gefühlen umgehen, dann führt der Weg dorthin über deine Körperempfindungen.

  • Angst kann z.B. oft als Enge in der Brust wahrgenommen werden.
  • Trauer als Druck im Kopfbereich,
  • Wut als Stauung und Anspannung im Bauch.
  • Freude als Kribbeln und Leichtigkeit im Körper.

Wenn du also das nächste Mal merkst, dass schlechte Laune in dir aufsteigt, dann halte kurz inne. Hol ein paar mal ganz bewusst Atem und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper. Was kannst du in deinem Körper wahrnehmen?

Wenn du auf diese Weise deine Aufmerksamkeit auf deine Empfindungen richtest und sie einfach nur beobachtest, anstatt sie in “schön” und “unangenehm” zu unterteilen, kommt die neue Perspektive in dein Leben.

Du trennst dein emotionales Erleben vom Leiden.

Dann sind die Emotionen erst einmal nur da. So wie dein Handy oder der Kugelschreiber einfach nur da sind.

Wenn du diese Wahrnehmung mit deinem Atem verbindest und von Moment zu Moment ohne Bewertung bei deinem Gefühl bleiben kannst, kommt eine unglaubliche Freiheit und Entspannung in dein Leben.

Das ist die wahre Bedeutung von einem Leben im Jetzt.

4. Lass es zu und lass es gehen.

Dies kann ein befreiender und gelassener Lebensstil werden. Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, dass du der Beobachter deiner Gefühle bist, anstatt in das Drama hineingezogen zu werden.

Denn Emotionen haben eine starke Sogwirkung auf unsere Wahrnehmung. In dem Moment, in dem du sie nicht mehr bewusst fühlst, ziehen sie wie ein Magnet deine gesamte Aufmerksamkeit an. Bis du sie nicht mehr beobachten kannst, sondern dich mit ihnen identifiziert hast. Dann bist du voll im Tunnel.

Je mehr du in diesen Tunnel hineingezogen wirst, desto stärker wirst du eine Erlösung im Außen suchen.

Beziehung beenden, Job hinschmeißen oder andere dumme Ideen kommen hoch.

Das sind die Auswirkungen des Widerstandes.

Denn du möchtest dich oder die Welt nicht verändern, weil sie anders sein soll, sondern weil du davon ausgehst, dass dich diese Veränderung anders fühlen lässt.

Stell dir vor, du könntest in solchen Situationen das Gefühl einfach gehen lassen, anstatt dich hineinzusteigern? Welche Freiheit und Gelassenheit würde das in dein Leben bringen?

 

Das Paradox der Gefühle

Paradoxerweise wird dein Gefühl „erlöst weiterziehen“, wenn du es bejahend gefühlt hast.

Denn in dem Moment, in dem du Widerstand leistest, hältst du am Gefühl fest.

Jedes Gefühl hat eine „Lebenskurve“. Es steigt an, sinkt und vergeht. Gefühle frieren nur dann ein, wenn wir Widerstand leisten und den Schmerz unterdrücken. Achtsamkeit ist der Schlüssel, um aus dem Teufelskreislauf aus Widerstehen und Urteilen auszubrechen.

In dem Moment wo du dein Gefühl in deinem Körper akzeptierst, das heißt:

Bejahend fühlst“,

kann es sich mit der Zeit auflösen. Und du bist frei. Dann gibt es zwar noch Gefühle wie schlechte Laune, Trauer oder Eifersucht, aber sie führen nicht mehr zu Leid.

Turbo für deine Entwicklung:

Inzwischen kann ich immer besser „starke Gefühle“ willkommen heißen, auch wenn sie sozusagen „Negativ“ sind.

Sie sind für mich Zeichen und Wegweiser.

Sie geben mir die riesige Chance, persönlich zu reifen. Statt sie zu betäuben, zu heilen oder schnell „wegzumachen“, spüre ich sie jetzt zuerst in meinen Körper. So gut ich kann nehme ich die neutrale Beobachterposition ein. Ich atme, schaue mir das Gefühl an und entspanne dabei mein Herz.

Der Weg in die emotionale Freiheit

Gefühle sind wie kleine Kinder.

Wenn wir sie übergehen, werden sie immer lauter.

Wenden wir uns ihnen zu, nehmen sie in den Arm, kommen sie schnell zur Ruhe.

Kleine Kinder

Das bejahende Fühlen und Annehmen deiner Gefühlen bewirkt dasselbe.

Auf diese Weise können sogar alte, unterdrückte Gefühle wieder hochkommen, vor denen du dich seit Jahren versteckt hast. Heiße sie willkommen. Fühle auch sie, und schau, wie sie sich mit der Zeit verändern und weiterziehen.

Du wirst merken, dass damit auch wieder mehr Energie zur Verfügung steht. Denn alte, eingeschlossene Gefühle blockieren deine Lebensenergie. Wenn diese Energien ohne Blockaden wieder fließen können, dann fühlst du dich frei und gut.

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Jan und Susanne von Wille