Perlen des Lebens

By Jan | Spiritualität

Mai 26

Als der schwedische Bischof Martin Lönnebo 1996 Urlaub auf einer griechischen Insel Urlaub machte, wollte er eigentlich ein Buch über das Beten schreiben. Aber dann inspirierten ihn die Perlenarmbänder der griechischen Fischer. Ein Perlenband, so seine Idee, würde nicht allein den Verstand, sondern auch die Herzen der Menschen erreichen. Er zeichnete eine große goldene Gottes-Perle und beim weiteren Nachsinnen kamen ihm weitere Symbole des Glaubens – für jedes Symbol nahm er dann eine weitere Perle: die hell-schimmernde Geheimnis-Perle, die weiße Perle der Auferstehung oder die schwarze Perle der Nacht. Insgesamt wurden es dann 18 Perlen, die die Glaubensentwicklung im menschlichen Leben symbolisch darstellen. Gleichzeitig soll dieses Armband helfen, den eigenen spirituellen Weg zu finden und einzuüben.

Hier ein Überblick über die einzelnen Perlen:

Die Gottesperle

Die Gottesperle bildet den Anfang und das Ende des Perlenbandes und verweist nach christlichem Verständnis auf Gott, von dem wir kommen und zu dem wir zurückkehren und der unser Leben begleitet wie der Strahl der Sonne.

So wie Anfang und Ende des Perlenbandes in der großen goldenen Perle zusammenlaufen, kann die Gottesperle ein Zeichen für Beginn und Ziel meines eigenen Weges und den Sinn des  Lebens sein. Wenn ich diese Perle zur Hand nehme, kann ich darüber nachdenken, wer oder was mein leben zusammenhält.

 

Perle der Stille

Sechs Perlen der Stille sind an verschiedenen Stellen in das Band eingefügt. Länglich, in einem hellen beige-Ton gehalten und schmal wirken sie einerseits wie ein Verbindungsstück zwischen den Perlen und sollen doch viel eher eine Unterbrechung sein.

Sie laden ein, das, was mich beschäftigt, loszulassen und in meinem Tun innezuhalten. Oft ist es nicht leicht die Gedanken loszulassen, sie hinweg zeihen zu lassen wie die Wolken am Himmel. Vielleicht gelingt es für einen Moment, und das ist dann ein Geschenk. Ich kann die Stille nicht erzwingen, aber ich kann mich dafür bereithalten.

Im Schweigen, Aufatmen und Loslassen kann ich zu mir selbst finden, kann ich sein, ohne zu tun und mich öffnen für das was in mir ist – kann ich mich für Gott öffnen.

 

Die Ich-Perle

Klein, perlmuttfarben, ganz nah an der Gottesperle, durch die erste Perle der Stille mir ihr verbunden, findet sich die Ich-Perle.

Sie regt dazu an, über sich selbst nachzudenken. Es hat mit meinem Werdegang und Selbstbewusstsein zu tun und es zeigt mir, wie ich zu mir selbst stehe.

Das Schimmern der Perle spiegelt den Glanz der Gottesperle wieder und sagt uns, dass jeder Mensch kostbar, einzigartig und ein geliebtes Kind Gottes ist.

„Die Perle bedeutet: Sieh auf dich selbst mit Liebe. Du bist eine Perle unter anderen Perlen. Behandle alle mit Achtung, auch dich selbst. Du hast ein Recht mit Lebenslust und Lebensmut zu leben. Die Ich-Perle ist eine Perle der Würde und Verantwortung des Menschen.

Die Tauf-Perle

Schützend, im Rücken der Ich-Perle liegt die größere weiße Tauf-Perle. Das eigene ICH begegnet einem DU. Zu dem JA, das ich zu meinem Leben sagen kann, kommt das JA, das ein anderer zu mir sagt. Niemand kann sein Leben selbst zur Welt bringen. Das Leben ist ein Geschenk, das ich empfange.

Die Tauf-Perle erinnert mich daran, dass ich mit Wasser auf den Namen Gottes getauft und mit dem Kreuzeszeichen gesegnet bin.

Das Geschenk des Lebens – dafür steht die Tauf-Perle. Ein Geschenk. Die Tauf-Perle steht für die Liebe Gottes zu uns und sein konkretes JA, das wir in der Taufe durch den Segen empfangen. Durch die Taufe stehen wir im Licht Gottes, spüren seinen Segen und sind angenommen.

 

Die Wüsten-Perle

Dürre, Entbehrung und Einsamkeit sind Wüsten-Erfahrungen. Umgeben von Perlen der Stille fügt sich die sandfarbene Wüsten-Perle in den Perlenkreis ein. Die Wüste steht für die Kämpfe unseres Lebens oder Schuld, die wir auf uns geladen haben.

Ein Ort der Klarheit und Entscheidung – das ist die andere Seite der Wüste.  In biblischen Texten lesen wir wie Mose Gott in der Wüste in einem brennenden Dornbusch begegnet. Auf dem Berg Sinai in der Wüste empfängt er die zehn Gebote. Im Neuen Testament erfahren wir wie Jesus, als er aus der Wüste zurückkehrt, zu mehr Klarheit und Reife, zu seiner Berufung findet.

 

Perle der Gelassenheit

Ein Gegenbild zu den täglichen Lasten, Pflichten und Herausforderungen, die wir täglich bewältigen ist die Perle der Gelassenheit. Sie erinnert mit ihrer Farbe an den Himmel, das Meer und die Weite des Horizonts.

Aus der Enge von Sorgen und Pflichten will sie mich in die Weite und Leichtigkeit führen und mich zur Sorglosigkeit anstiften. Die Perle der Gelassenheit fragt mich nicht: „Was kannst du tun?“ Sondern: „Was kannst du heute lassen?“

Perle der Liebe

Liebender und Geliebte –  zur Liebe gehören immer zwei. Jemand, der Liebe verschenkt und jemand, der sie empfängt.

Die rote Farbe der Perlen erinnert an Feuer und Geist, Leidenschaft und Leiden und weist damit auf die Ambivalenz der Liebe. Liebe ist das Größte, was wir erfahren können, aber an ihr können wir auch zerbrechen. Sie beinhaltet Gefühle völliger Verschmelzung und den Schmerz der Trennung.

Der christliche Glaube bezieht die Liebe der Menschen auf die Liebe Gottes. Denn die Liebe Gottes ist die Quelle aller menschlichen Liebe und befähigt uns Liebe zu zeigen und uns für andere einzusetzen.

Die Geheimnisperle

Drei kleine Perlen stehen für die Geheimnisse. Jeder Mensch hat Geheimnisse, etwas, was er nicht mit anderen teilen möchte oder kann. Dazu gehören unsere Träume, Ängste und Leidenschaften. Gott nimmt uns ganz, mit unseren Geheimnissen. Vor ihm können wir uns mit allem, was wir anderen nicht sagen können, zeigen. Vor Gott können wir zur Sprache bringen, was wir anderen verschweigen.

Sie sind Fürbitten-Perlen, denn mit ihnen können wir an andere denken – diejenigen, die uns nahestehen oder wir beten mit ihnen für jemanden, um den wir uns sorgen.

 

Perle der Nacht

Nacht, Trennung, Tod – die schwarze Perle der Nacht bringt uns mit Abgründen und Trauer in Kontakt. Hier ist Platz für Schmerz und Gefühle der Traurigkeit und des eigenen Versagens. Die Perle der Nacht konfrontiert uns mit den Schattenseiten des Lebens. Sie erinnert mich daran, dass sie zum Leben gehören und ich die damit einhergehende Gefühle zulassen kann und darf.

Gott hält dieses Leiden und auch das Sterben der Menschen mit mir aus, denn im Tod Jesu am Kreuz ist Gott selbst den Weg durch die dunkelste Nacht gegangen. Wer die schwarze Perle in die Hand nimmt, kann sich daran erinnern: Gott lässt mich auch in den dunkelsten Stunden nicht allein.

Perle der Auferstehung

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Perle der Auferstehung steht für den Weg vom Tod zum Leben, von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Finsternis zum Licht. Die Kräfte des Lebens sind stärker.

Manchmal geschieht plötzlich etwas in meinem Leben, das alles verändert. Es muss nichts großes sein, und doch ist alles anders, weil ich es anders sehe. Das gibt mir Mut aufzustehen und das eigene Leben zu leben. Ich kann neue Wege gehen und Kraft für einen Neuanfang schöpfen.

Auferstehung beginnt mitten im Leben. Von Jesus konnten die ersten Christinnen und Christen bezeugen: „Er ist auferstanden!“ Am Ostermorgen wird diese Botschaft in allen Kirchen der Welt feierlich verkündet.

 

Hinweis:

Anhand dieser Perlen und ihrer Symbolik werden wir das Seminar „Einüben in die Gegenwart Gottes“ (25.-29. August 2014) gestalten. Verbunden mit kontemplativem Gebet werden wir offener werden für die Gegenwart Gottes.

Die Sehnsucht nach dem Verweilen in der Stille wächst, damit wir verwandelt werden zu dem, was wir von Anfang an sind: ursprünglich heil.

(Gregor von Nyssa)

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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