Nicht perfekt – aber glücklich

By Jan | Achtsamkeit

Jun 26

Überall gibt es „Unvollkommenheiten“. Dazu gehören zum Beispiel: Unordnung, Unkraut, Verkehrsstaus, Flecken auf dem Teppich, Krankheit, Schmerzen, Probleme, ungelöste Fragen, Verluste – und dann die vielen Probleme in menschlichen Beziehungen… Unvollkommenheiten sind Fehler, falsche Entscheidungen, Verwirrung, Mangel an Klarheit, Krieg, Hunger, Unterdrückung. Kurz gesagt, bedeutet Unvollkommenheit eine Abweichung von einem angemessenen Ideal oder Standard.
Jede Abweichung von einem Ideal hat Folgen und wir sollten etwas dagegen zu tun. Aber dabei belassen wir es oft nicht sondern hinzu kommt: Wir reagieren mit Angst, in Form von Unbehagen, Leiden, Nervosität, Beunruhigung oder Stress, auf die Unvollkommenheit selbst, statt sie als einen unvermeidlichen Aspekt des Lebens zu sehen.
Urteile, Widerstände und Sorgen
Statt mit den Bedingungen umzugehen, so wie sie sind – Flecken, Verletzungen, Konflikte mit anderen – und einfach auf sie zu reagieren, verfangen wir uns in Sorgen darüber, was sie bedeuten, fühlen uns als Opfer, werden rechthaberisch und verurteilend, beschuldigen uns selbst und andere, sind enttäuscht etc.
Und genau diese Reaktionen auf die Unvollkommenheit sind die Kräfte, durch die wir uns viel schlechter fühlen, als es angemessen ist – und machen es schwieriger, der Situation entsprechend zu handeln. Lass die zerbrochene Tasse eine zerbrochene Tasse sein und füge keine Urteile, Widerstände, Schuldzuweisungen oder Sorgen hinzu.
Unternimm angemessene Anstrengungen, um die Dinge zu verbessern, aber erkenne, dass es unmöglich ist, etwas zu vervollkommnen. Du kannst deine Persönlichkeit, Gedanken oder Verhaltensweisen einfach nicht vervollkommnen – du kannst auch andere Menschen oder die Welt nicht vervollkommnen.
Akzeptiere dieser Tatsache: Du kannst die Menschen, die du liebst, nicht vollkommen beschützen oder all deine Gesundheitsrisiken ausschalten oder Menschen davon abhalten, dumme Dinge zu tun. Dieses Akzeptieren fühlt sich vielleicht am Anfang bitter oder traurig an, aber dann spürst du wahrscheinlich eine neue Freiheit und wachsende Energie, um die Dinge zu tun, die du tun kannst – jetzt, da du nicht mehr durch Hoffnungslosigkeit behindert wirst, die du spürst, wenn du alles perfektionieren willst.
Wir brauchen Standards und Ideale, aber wir müssen sie leicht nehmen. Sonst beginnen sie, in unserem Geist ein Eigenleben zu führen, wie kleine Tyrannen, die Befehle brüllen: „Du musst das tun, es ist schlecht, jenes zu tun.“ Achte auf Rechtfertigungen, auf selbstbezogenes moralisierendes Bestehen auf deiner eigenen Sicht, wie du, andere und die Welt sich verhalten sollten. Prüfe, ob du Tendenzen zum Perfektionismus hast, sonst wird es schwierig, mit dir zusammenzuleben oder zusammenzuarbeiten, und auch du wirst nicht wirklich glücklich werden.
Es gibt keine perfekte Rose und kein perfektes Kind! Auch die Versuche, deinen Körper, deine Beziehungen, deine Familie, dein Unternehmen oder deine spirituelle Praxis zu perfektionieren ist absurd. Investiere in all diese Bereiche, damit sie sich entfalten, aber gib die Versuche auf, sie vervollkommnen zu wollen.

 

 

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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