Hineingehen – der erste Lebensschritt

By Jan | Spiritualität

Okt 21
Geburt 1

Paulus verknüpft das Schicksal des Kosmos mit dem der Menschheit:

„Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen… Aber zugleich gab er (Gott) ihr Hoffnung. Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit frei werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ Röm. 8,20-22

Hier wird also angedeutet, dass die Schöpfung einen Geburtsprozess durchläuft, der mit dem Schicksal der Menschheit verbunden ist. Die Menschheit ist nicht einfach eine Ansammlung von Einzelwesen, die unverbunden nebeneinander her existieren. Sie bilden ein eng verbundenes Netzwerk. Und jeder einzelne Mensch trägt durch sein Leben zur Gesamtentwicklung etwas bei.

Obwohl wir inzwischen schon recht viel über Chromosomensätze und Gen-Codes wissen, bleibt die Entstehung des Lebens doch ein großes Geheimnis. Jeder von uns spürt wohl – bewusst oder unbewusst – dass wir unser eigenes Wachstum beeinflussen können. Wir können es fördern oder auch behindern.

Hilfreich ist dafür das Wissen um den Geburts-charakter von jedem Wachstumsschritt.

Die Phasen der Geburt prägen jeden weiteren entscheidenden Wachstumsschritt in unserem Leben.

Deshalb ist es hilfreich, sich die 4 verschiedenen Geburtsphasen anzuschauen und zu überlegen, welche Dynamik ich vielleicht gerade in meiner aktuellen Lebensphase wieder erkenne.

Es gibt Lebensmomente, die häufig zu einem Wachstumsschritt herausfordern.

z.B:

Schulbeginn/Studienbeginn; Eintritt in das Berufsleben; dauerhafte Beziehungen/ Partnerwahl; Famliengründung; berufliche Beförderung / Arbeitslosigkeit; Kinder verlassen das Haus; Pensionierung, ernsthafte Erkrankung, das Sterben als konkreter Lebensschritt.

Schau doch mal, auf welcher Lebensstufe du stehst und wie du die nächste Stufe mit Einblick in die Geburtsphasen evtl. besser verstehen kannst.

1. Das Vorspiel

Dies ist die Zeitspanne unmittelbar vor dem Einsetzen der ersten Wehen.

Der Fötus hat ein Entwicklungsstadium erreicht, in dem es allmählich eng wird und die Plazenta bald nicht mehr genügend Nahrung liefert. Zugleich spürt der Fötus, dass mehr in ihm steckt. Es drängt hin zum eigenständigen Leben. Erst wenn die Mutter aus gutem Instinkt aufhört, die bisherigen nährenden Funktionen zu erfüllen, kann das Ungeborene selbständig werden.

Wie diese früheste Lebensphase erlebt wird, prägt sehr tief das Weltbewusstsein eines Menschen. Ungeborene können schon kurz vor der Geburt die äußere Situation wahrnehmen. Wenn dieser sensible Vorgang ungestört abläuft, erlebt das Ungeborene Bilder, die später mit dem Gefühl von Einheit verbunden werden: ein ozeanisches Bewusstsein, das Aufgehen im Kosmos, Bilder von überwältigenden Naturerlebnissen, die Geborgenheit ausstrahlen , Erinnerungen an die symbiotische Erfahrung an der nährenden Mutterbrust oder auch vom Himmel und vom Paradies.

Wird diese Lebensphase spürbar gestört, bilden sich andere innere Bilder: Schmutzige Wasserströme, verseuchte Natur, Gefahren unter Wasser, bedrohliche Wesen…

Für Menschen, die diese Frühphase der Geburt positiv erleben konnten ist es oft charakteristisch, dass sie wenig Antrieb verspüren, sich auf Veränderungen einzulassen. Erst wenn sie sich unwohl fühlen kann der Wunsch entstehen, aufzubrechen und die Lage zu verändern. Sie können dahin tendieren, den momentanen Status fest zu halten und scheuen sich, das Risiko der Veränderung auf sich zu nehmen. Neues, Fremdes scheint gefährlicher als die gegenwärtige Lebenssituation, die wohl an Lebendigkeit nachlässt, aber zumindest bekannt ist.

Beim Ungeborenen wird das Ende des „paradiesischen“ Zustands instinktiv und zum richtigen Zeitpunkt herbeigeführt. Beim Erwachsenen bedeutet es eine aktive Aufgabe. Er muss von sich aus etwas unternehmen, um den bequemen Zustand einer bestimmten Lebensphase zu verlassen und sich auf eine neue, noch unbekannte Phase einzulassen.

Dieser Schritt ist immer mit mehr oder weniger Angst verbunden. Aber ohne Überwindung geschieht kein Wachstum.

Jeder Wachstumsschritt bedeutet, dass ich mich von etwas lösen muss, das mir vertraut war, in dem ich mich heimisch erlebt habe. Das Leben beginnt mit einem Trauma – dem Herauslösen aus der Einheit und deshalb werden auch alle späteren Ablösungserfahrungen als besonders stark und auch bedrohlich empfunden.

Als zentrales Wort für diesen ersten Lebensschritt könnten wir „Hineingehen“ wählen.

Das Leben fordert ein bewusstes Hineingehen in das Fremde und Unbekannte.

 

Fragen zur persönlichen Reflektion:

Wenn ich mir vorstelle, dass mein augenblickliches Leben noch 10 Jahre so weitergeht wie bisher, stellt sich dann Unbehagen oder ein Gefühl von Langeweile ein? Deutet sich damit an, dass eine Veränderung ansteht?

Gibt es Anzeichen einer Stagnation in einem wesentlichen Lebensbereich? Was will hier überwunden werden?

Vor welcher Fremde, vor welchem Unbekannten habe ich dabei Angst?

Hinweis zum nächsten Blogartikel: 2. Phase: Dem Licht folgen…

 

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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