Grenzen setzen – 3 Regeln, die du kennen solltest

By Susanne von Wille | Beziehungen

Dez 26
Grenzen setzen

Grenzen setzen. Grenzen verteidigen.

Das gehört zu unserem Alltag.

Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, damit die Menschen um uns herum wissen, wen sie vor sich haben. Menschen mit starken und gesunden Grenzen sind oft sehr angenehme Persönlichkeiten, denn wir wissen bei ihnen, woran wir sind.

Gesunde Grenzen machen uns stark und Stärke ist nun mal sehr attraktiv.

 

In unserer Lebensgemeinschaft habe ich hier ein tägliches Übungsfeld.

4 Familien = 16 Personen.

Immer wieder aufregend…

Bevor wir zusammen zogen, fand ich die Idee total erstrebenswert und abenteuerlich.

Als der Umzug vor der Türe stand, wollte ich nur noch fliehen.

Ich war mir der Gefahr bewusst, dass meine Grenzen oft überschritten würden, da ich eher der angepasste Typ war.

Das empfand ich als lebensbedrohlich.

Mein „Grenzschutz“ unterzog sich einem Realitätscheck mit Heilungschancen.

Heil werden durch Grenzen setzen

Neben den vielen schönen Momenten in dieser Gemeinschaft
bin ich also recht bald mit dem Thema „Abgrenzung“ konfrontiert worden.

Entweder ging es dabei um meine eigenen oder die der anderen.

Und jeder baut seine Grenzzäune anders.

Die einen stecken sie weiter, die anderen ziehen sie enger.
Das habe ich bei diesen vielen und unterschiedlichen Beziehungen inzwischen gemerkt.

Und fast jeder Konflikt hat irgend etwas mit „Grenzüberschreitungen“ zu tun.
Oft passiert dieser Überschritt unabsichtlich, weil die Grenzen unseres Gegenübers selten genau mit unseren übereinstimmen.

Ich merke aber auch, dass ich meine eigenen Grenzen nicht immer genau kenne.

Manchmal werden sie mir erst bewusst,
wenn sie von anderen überschritten werden.

Vielleicht kennst du das auch?

 

Ich lernte:

Schützen kann ich nur, was mir bewusst ist.

Ich kann die genauen Grenzen der anderen Person nicht auf Anhieb erkennen.

Das gilt ebenso umgekehrt.

Denn sie sind häufig unsichtbar.

Zusätzlich kompliziert wird es, wenn ich auch über meine eigenen Grenzen nicht im Bilde bin.
Oder wenn ich sie kenneaber nicht schützen kann.

Das kann verschiedene Gründe haben.

Meiner Erfahrung nach hat das vor allem mit meinen ganz frühen Prägungen zu tun.

Ich bin ein Einzel – und ein Scheidungskind.

Das brachte mit sich, dass ich früh die Erfahrung machte:

ich bin allein.

Ich muss mich um mich selbst kümmern, wenn ich überleben will.

Durch die Scheidung meiner Eltern war mein Selbstbild sehr von Scham und Schuld geprägt und ich traute mir selbst gar nicht zu, wirklich für mich sorgen zu können.

Dasselbe Muster hatte meine Mutter schon genauso erlebt.

 

Mein Ausweg:

„Ich muss mich anpassen, um zu überleben!“

Und dann hoffen, dass andere mich mögen und aufnehmen.

Wenn ich mich wehre, gehe ich in Gefahr alles zu zerstören.

Deshalb fällt Gegenwehr ganz aus.

Super Vorbedingung für eine Lebensgemeinschaft, oder ?

 

Grenzen und Selbstwertgefühl

Immer, wenn jemand meinen persönlichen Raum verletzt und ich es zulasse, fühle ich mich schwach und ausgeliefert und untergrabe mein Selbstwertgefühl.

Das kann sogar so weit gehen, dass ich glaube, kein Recht auf diese Grenze zu haben.

Als Kind waren meine Eltern zu mächtig, als dass ich mir „das Recht“ auf diese Grenze hätte eingestehen können.

Heute bin ich erwachsen und habe die Möglichkeit, eingefahrene Reaktionsmuster zu verändern.

Ich erfuhr:

Ich kann meine Grenzen verteidigen, ohne die Angst haben zu müssen zu sterben.

Es ist sogar zum Überleben notwendig!

Es gab 2-3 Erfahrungen, in denen ich durch großen Stress herausgefordert wurde:

entweder ich setze jetzt meine Grenze, oder ich gehe weiter unter.

Diese Erfahrungen waren für mich erstaunlich und ich werde das wohltuende Gefühl der Belohnung danach nie vergessen.

Wie gut, dass ich in jeder Lebensphase lernen kann, Grenzen zu setzen.

Durch die Lebensgemeinschaft (und natürlich meiner Ehe und Familie) habe ich mich mit diesem Thema sehr intensiv auseinander setzen müssen.

Hier gebe ich dir mal meine „Learnings“ von mir mit.
Vielleicht inspirieren sie dich:

(Möchtest du diese „Learnings“ praktisch erfahren?  >> Hier zur Challange klicken)

 

Zuerst die Frage: Wofür eigentlich abgrenzen?

  • Sich rechtzeitig abzugrenzen beugt Ärger vor.
  • Setzt du langfristig effektiv Grenzen, entwickelst du ein gesundes Selbstbewusstsein und verringerst Empfindungen wie Scham und Depression.
  • Sich rechtzeitig abzugrenzen, fördert Beziehungen. Jeder ist dankbar für eine klare Ansage. Andere können sich darauf verlassen, dass du für dich sorgst. Das ist das Fundament einer entspannten und lockeren Atmosphäre in einer Beziehung oder Gruppe. Es schafft außerdem eine gehörige Portion Achtung, weil sich abzugrenzen auch mit Mut verbunden ist. Du stärkst so also deine Identität.

 

Wie kann man „sich abgrenzen“ lernen?

Wichtigster Punkt für mich: Deine Einstellung
Den größten Einfluss auf deine Fähigkeit dich abzugrenzen, hat deine Einstellung.
Wenn du realisierst, dass:

  • du wie eine Dienstmagd behandelt wirst, wenn du dich als Dienstmagd anbietest,
  • andere dich abwerten, wenn du ihnen jeden Gefallen erfüllst, ohne dich zu fragen, was dir wichtig ist,
  • Verbundenheit und Nähe durch Abgrenzung gestärkt wird und nicht geschwächt, weil es andere Menschen langfristig schätzen und bewundern, wenn jemand für sich einsteht.

Zweitwichtigster Punkt: Timing

Wenn du „Nein” sagst, sollte das Timing passen.
Günstig ist zunächst, sofort “Nein” zu sagen, wenn du bemerkst,
dass du nicht einverstanden bist.

Übergehst du den ersten Impuls „Nein” zu sagen,
wird es immer schwieriger, weil sich dann womöglich Ärger in dir aufbaut und du nicht mehr gelassen “Nein” sagen kannst.

Eine einfache Faustregel für das Timing ist:
Je früher, desto besser.

 

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Drittwichtigster Punkt: Das „Wie“ 

Im Falle einer Grenzüberschreitung kurz und prägnant ohne lange Erklärung:
“Ich möchte nicht.”

Wenn du eine Begründung lieferst, dann nur welches Ziel oder Bedürfnis du erreichen willst, indem du die Bitte nicht erfüllst.

z.B:
“Ich möchte nicht, weil ich Zeit mit meiner Familie verbringen will.”

“Ich möchte nicht, weil ich Zeit zum Entspannen brauche.”

Nicht so optimal sind langwierige Begründungen, wie:

“Ich möchte nicht, weil gestern war ich bei meiner Schwester und Übermorgen
gehe ich ins Kino und…”

Wenn die Begründung zu lang und wenig konkret ist, sagst du damit eigentlich:

“Ich möchte nicht und bin mir unsicher, ob ich dazu das Recht habe…”

Du hast das Recht, für dich zu sorgen.

Deswegen musst du dich auch nicht entschuldigen, wenn du nicht möchtest.

Eine Entschuldigung lässt dich unsicher fühlen und ist einfach nicht angebracht.

Wenn du dabei aufgeregt bist, weil es noch schwer ist, diese Spannung auszuhalten, atme einmal tief durch und achte darauf, dass dein Ton freundlich aber bestimmt ist

Du musst auch niemanden überzeugen.

Wie der oder die andere das bewertet ist auch nicht dein Bier.

Wenn du zusätzlich ausdrücken willst, dass du den Wunsch deines Gegenüber schätzt und respektierst, dann probiere es mit tut mir Leid”.

Das impliziert keine Schuld, sondern Anteilnahme an seiner Situation.

Tut mir Leid, aber ich kann dir heute nicht helfen, ohne die Verantwortung für meine Arbeit zu vernachlässigen. 

Ich kann mir denken, dass du das Projekt endlich fertigstellen willst.
Frag doch mal X oder komm Ende der Woche noch mal zu mir.“

So, das sind für mich die wichtigsten Einsichten. 

Sie regeln nicht jede Situation. Aber sie haben mir schon sehr geholfen.

 

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Wenn ich es mal wieder nicht schaffe, meine Grenzen zu ziehen, liegt es bei mir oft nicht an der Erkenntnis,
sondern an der inneren Kraft.

Am Mut.

Meinen persönlichen Etappensieg werde ich aber weiter feiern.
Denn, wie jemand so schön sagte:

Wer seine Grenzen kennt, ist schon ein halber Weiser.

 

Weitere hilfreiche Einsichten zu diesem Thema findest du auch hier:

Grenzen setzen: Wie du lernst, NEIN zu sagen (eine Anleitung)

 

 

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About the Author

Jan von Wille, zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

  • Béatrix sagt:

    Grenzen setzen, denke ich, hat auch etwas mit JA zum Leben und vermehrter Freiheit zu tun, da dies inneren Lebensraum freimacht.

  • Ana sagt:

    Das Thema sich von meinen Eltern zu lösen und mehrr ich selbst sein beschäftigt mich schon sehr lange. Ich habe schon einige male versucht meine Eltern auf auf die Sachen anzusprechen die mir,auf dem Herzen lagen oder womit sie mich verletzten. Die Gespräche waren nie sehr fruchtbar. Jedes Mal wenn ich mich abgrenze oder “Nein“ sage, sind Sie beleidigt und enttäuscht. Und das trifft mich, ganz ehrlich, wie soll ich damit umgehen? Es ist immer einfachet gesagt als getan mit “Grenzen“ setzen, meine Eltern reagieren auf Konflikte nicht gerade nach Lehrbuch. Sie arbeiten mit subtilen Methoden um mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Es ist oft zu wenig um zu teagieren aber über die Jahre ein ganzer Brocken.Ich bin jetzt selbst Mutter, möchte dass wir mit den Grosseltern suskommen, aber sie verletzen mich ständig und wollen das nicht wahr haben. Ich weiss dass,mir dieser Weg nicht leicht fallen würde. Wie soll ich nun Grenzen setzten? Kontakt ganz abbrechen? Ich fühle mich jedesmal schrecklich, wenn ich ihnen mal “meine Meinung“ gesagt habe weil sie so verständnislis reagieren. Mnchmal scheint mir Theorie und Realität sehr weit weg von einander zu sein.

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