DAS haben Flüchtlinge mit dir zu tun

By Jan | Spiritualität

Aug 24
Junge auf Flucht

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit bis zu 800.000 Asylbewerbern.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr beantragten 202.000 Menschen in Deutschland Asyl. Bisher war 1992 mit 440.000 Asylanträgen das Spitzenjahr in der deutschen Geschichte.

Die Herausforderungen werden also zunehmen. Abgesehen von den politischen und organisatorischen Herausforderungen besteht für uns die Frage, welche innere Haltung wir den Flüchtlingen gegenüber einnehmen.

In den sozialen Medien gibt es rechte und linke Ränder: die einen wollen sie einfach weg haben, die anderen fordern radikale Aufnahme, ohne die komplexen Auswirkungen auf ein ganzes Volk zu ende gedacht zu haben. Denn Flüchtlinge fliehen eben deshalb, weil der Zustand im eigenen Land nicht mehr auszuhalten ist. Und da sie auch immer Teil des problematischen Hintergrundes sind, werden sie auch diese ungelösten Probleme importieren.

Die gewaltige Lernaufgabe

Wenn eine Familie ein Pflegekind aufnehmen möchte, wird das Jugendamt genau prüfen, ob die Familie den Anforderungen insgesamt gerecht werden kann. Ebenso muss auch ein Land gut prüfen, für wie viele Flüchtlinge nicht nur die materiellen Ressourcen, sondern auch die sozialen und kulturellen Kräfte ausreichen. Denn wenn eine große Anzahl von Menschen aus einer anderen, krisengeschüttelten Region in sehr kurzer Zeit in ein soziales System aufgenommen wird, ist das eine enorme Lernaufgabe – für beide Seiten.

Diese extrem hohe Lernaufgabe ist nicht zu meistern, wenn wir nicht schaffen, durch diese neue Situation an unsere inneren Haltungen heran zu kommen.

An dieser Stelle möchte ich auf die Haltung der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit eingehen.

Gott selbst stellt sich als barmherzig und gerecht dar. Und zwar immer im Blick auf Menschen, die unter Unbarmherzigkeit und Ungerechtigkeit leiden.

„Der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr aller Herren. Er ist der große Gott, mächtig und Ehrfurcht gebietend, unparteiisch und unbestechlich. Er verhilft Witwen und Waisen zu ihrem Recht. Er liebt die Ausländer und gibt ihnen Nahrung und Kleidung.

Auch ihr sollt die Ausländer lieben, denn ihr wart selbst einmal Ausländer in Ägypten.“

  1. Mose 10,17

 

Interessant ist, dass hier zuerst Gottes Wesen beschrieben wird: barmherzig und gerecht. Und da er so ist, möchte er, dass auch wir sein Wesen durch Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ausdrücken.

Für einen Vater ist es ein großes Glück, wenn er sieht, wie etwas von ihm in seine Kinder übergeht. Vor vielen Jahren hat mein Vater mir das Gitarre spielen beigebracht. Als unser Sohn etwas älter wurde, habe auch ich ihn die Welt der Musik eingeführt. Einige Lieder wurden so über die dritte Generation weiter transportiert. Ein wunderbares Erlebnis.

Gottes Freude ist es, wenn sein Wesen sich in seinen Kindern wiederspiegelt.

Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit ist im alten und neuen Testament unüberhörbar. Viele von uns hören ihn aber nicht, da wir selbst nicht benachteiligt und verfolgt werden. In Westeuropa leben wir in einem Imperium, indem wir die Worte von Jesus ganz anders verstehen, als es arme unterdrückte und ausgegrenzte Menschen tun – zu denen übrigens auch die ersten Zuhörer Jesu zählten. Für Jesus galten gerade verfolgte Menschen als diejenigen, die spirituellen am offensten waren. Jesus sagte: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle möglicherweise verleumdet werdet.“ (Matth. 5,11)

„Erlösung“ war anfangs nicht nur spirituell gemeint.

Vielleicht kann uns das Flüchtlingsthema ganz praktisch helfen, Zugang zu unserer eigenen Bedürftigkeit zu bekommen, die durch unsere gewachsene Kultur der Sicherheit und des Konsums oft zugedeckt wird.

Fakt ist, dass wir alle verwundet werden und Ungerechtigkeit erleben. Eine spirituell fruchtbare Dimension kommt in unser Leben, wenn wir Gott und sein Wirken in genau diesen Wunden erleben können.

Jesus sagte nach seiner Auferstehung zu Thomas: „Streck deine Finger aus und lege sie in die Wunden meiner Hände.“ Thomas hatte versucht, das Problem rational zu lösen. Jesus aber führte ihn durch den unmittelbaren Körperkontakt zur Berührung mit dem Schmerz. Indem er ihn mit dem Schmerz konfrontierte, erweckt er in Thomas die Fähigkeit für Mitgefühl und Barmherzigkeit.

Deshalb ist es wichtig, dass wir Zugang zu unseren eigenen abgelehnten und verwundeten Anteilen ihn uns selbst finden.

Vielleicht helfen uns die Flüchtlinge mit ihren traumatischen Erfahrungen, dass wir uns dieser Anteile bewußt werden. Das geschieht aber nur durch Kontakt.

Deshalb muss jeder von uns zumindest einen bedürftigen und armen Menschen unterstützen. Anders werden wir wohl nicht die wahre Bedeutung des Evangeliums verstehen.

 

Fakten

Asylanträge in Relationen zur Bevölkerungszahl

Deutschland nimmt in absoluten Zahlen die meisten Flüchtlinge auf, bezogen auf die Einwohnerzahl aber nicht. Hier liegen andere Länder für das Jahr 2014 deutlich vorne – zum Beispiel Schweden mit etwa 7,8 Asyl-Erstanträgen pro 1000 Einwohnern, Ungarn mit 4,2 pro 1000 oder das kleine Malta, wo drei neue Asylbewerber auf 1000 Einwohner kommen. Bei uns kommen rund 2,1 Asylbewerber auf 1000 Einwohner.

In Frankreich hingegen ist die Quote für 2014 deutlich niedriger und liegt bei nur rund 0,9 Asylbewerbern pro 1000, weniger noch verzeichneten Finnland (0,6 pro 1000), Großbritannien (etwa 0,5 pro 1000), Spanien (0,1 pro 1000) und Tschechien (0,09 pro 1000).

Fluchtzahlen im Vergleich

Deutschland ist insgesamt Vorreiter bei der Aufnahme von Flüchtlingen – andere große europäische Industrienationen wie Frankreich und Großbritannien leisten deutlich weniger, kleine Staaten wie Schweden oder Ungarn nehmen dafür proportional mehr Asylbewerber auf als Deutschland. kommen vorwiegend in bestimmte Länder.

Flucht in Deutschland

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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