Die Grundregel für den friedvollen Kampf

By Jan | Spiritualität

Jul 21

Theologie ist 80% Biographie…..sagt man.

In dieser Aussage steckt viel Wahrheit.

Zumindest kann ich das persönlich bestätigen. Markante Ereignisse meines Lebens prägten mein Gottesbild entscheidend.

In frühen Jahren war es der Tod meiner Mutter und die anschließende Zeit im Kinderheim. Großen Einfluss hatten auch Lieder meines Vaters, die er vor meinem Einschlafen auf der Gitarre vorspielte.

Vater und Mutter sind ohnehin die ersten „Bilder von Gott“.

Diese schaffen und festigen eine nachhaltige Grundatmosphäre.

Eine „zweite Phase der Prägung“ erlebte ich als junger Erwachsener während meiner ersten Leitungserfahrungen innerhalb einer kirchlichen Jugendgruppe.

Begleitet wurde ich von einem älteren Pastor. Klaus Lukoschus war ein geruhsamer Intellektueller, der die russische Orthodoxie liebte und nicht besonders emotional war. Von ihm habe ich viel gelernt, wenngleich er kein typischer Mentor war.

Bei meiner Leitungsaufgabe lies er mir viel Freiheit. Zwischendurch schaute er immer wieder vorbei, um zu sehen, was ich als Leiter so machte. Dabei mischte er sich aber nicht ein, hielt sich eher im Hintergrund. Auch emotional äußerte er sich sehr selten.

Natürlich ist es gerade für junge Menschen wichtig über Emotionen zu reden. Dennoch war es gerade seine ruhige und besonnene Art, die mir damals sehr geholfen hat.

 Sein Coaching lief in etwa so ab:

Hatte ich nach seiner Meinung richtig gehandelt, nickte er mir kurz und sanft zu. Meist mit einem leichten Lächeln.

Lag ich voll daneben, äußerte er keine besonderen Gefühlsausbrüche. Kein Donnerwetter. Nur eine leichte Kopfbewegung. Das war mir Signal genug, um zu wissen. „Jan, mach keinen Mist. So wird das nichts. Du kannst das besser.“

Erst in späteren Jahren wurde mir bewusst, dass sein Vorbild half, Gottes Pädagogik zu verinnerlichen. Manchmal läuft im Leben einiges schief und wir greifen voll daneben. Dann braucht es kein himmlisches Donnerwetter. Nur ein liebevoller, innerer Check zwischen Gott und mir: Hey, das kannst du besser. Du läufst gerade unter deinem Niveau. Du kannst über dich hinaus wachsen! Merke: Jesus hat seinen Jüngern nicht den Kopf gewaschen, sondern die Füße.

Wenn wir diese Gewissheit in uns tragen, können wir Gott in allen Situationen ins Angesicht schauen. Da spiegelt sich keine Enttäuschung. Gott flüstert dir zu, wie er dich sieht. Er erinnert sanft an deine wahre Identität.

 

Unser Alltag ist jedoch oft von anderen Erfahrungen geprägt. Es ist leider nicht einfach, sich selbst aus Gottes Perspektive anzunehmen.

 

Schau dir noch einmal Gottes Bild von dir an:

Die Frucht, die der Geist in uns wachsen lässt, ist: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit,   Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“  Galater 5,22

 

Die nächste in dir ruhende Eigenschaft, die Gottes Geist entfalten will ist:

Friede

Was für ein kraftvolles Wort.

Wie du das bereits kennst, beginne ich mit der Beschreibung des alten, unerlösten Egos. Geprägt und verformt von Wunden der Vergangenheit.

 

Ich nenne diese Verformung

„Der Kämpfer“.

Kämpfer haben Energie. Sie sind motiviert, krempeln die Ärmel hoch und packen an. Das ist nicht falsch. Doch der unerlöste Kämpfer übertreibt. Oder besser, es versucht seine innere Verwundung mit eigener Stärke zu heilen. Unerlöste Kämpfer können ohne Aufgaben und Ziele nicht leben. Oft brauchen sie Gegner.

 

Das Motto des Egoisten lautet „Hauptsache Ich“.

Der Leitgedanke des Opfers ist „Erleichterung ist alles“.

Kämpfer folgen der Parole: „Gewinnen ist alles!“

 

Der Kämpfer sieht das Leben als großen Kampf.

Überall und immer ist sein Kampfgeist gefordert. Kampf auf dem Arbeitsplatz, Kampf in der Familie, Kampf auf der Autobahn.

Das Leben ist hart und nichts für Weicheier.

Manchmal sehe ich diese Kämpfer auf Werbeplakaten. Besonders in der Musikbranche. Ist dir die düstere Atmosphäre auch schon aufgefallen?

Da stehen coole Typen auf irgendwelchen alten Bahnhöfen oder in abgerissenen Betonbunkern, haben Bomberjacken an und schauen böse in die Kamera.

Ab und zu wird einer von Ihnen Christ. Das ändert aber nicht ihren „Kämpfermodus“. Dann wird eben mit der Musik gekämpft. Jetzt für Jesus.

 

Die Gegner sind nicht mehr alte Feindbilder, sondern die Finsternis. Täglich sollen wir gegen den Teufel kämpfen, so lautet das neue Credo. Und das Böse lauert überall. In den Finanzmärkten, in der Politik, ja selbst in der Luft, die du atmest… ein hartes Leben!

 

Ein Kämpfer sieht das Leben als Kampfplatz – bei dem es klare Gewinner und Verlierer geben muss.

Das ist leider auch auf vielen christlichen Konferenzen festzustellen.

Dort wird es eleganter ausgedrückt. Christlich assimiliert hört sich das etwa so an:

„Wenn du ein Gewinner-Pastor sein willst, dann komm zu uns. Wir erklären dir, wie eine Gewinnerkirche funktioniert. Andere Kirchen sind da nicht so gut. Von unserer Art gibt es bestenfalls 10.

Wir sind zum Siegen berufen. Und auch du kannst ein Gewinner werden. Mit unserer Gewinnergarantie wirst du siegreich „dienen“ – im Namen des Herrn!“

 

Der Kämpfer sieht nicht nur das Leben als ein Ort ständigen Kampfes. Er unterteilt auch Menschen in Gewinner und Verlierer. Denn eines ist sicher: Gewinner gibt es nur, weil es auch Verlierer gibt.

Das gilt insbesondere für Sportveranstaltungen und deshalb machen Wettkämpfe auch so viel Spaß. Doch Vorsicht! Menschen in Gewinner und Verlierer einzuordnen, ist gefährlich. Denn sie werden auf Funktionen begrenzt. Auch im Sport gilt: eine Mannschaft braucht nicht in erster Linie Können und Kompetenz, eine Mannschaft setzt sich aus Kammeraden zusammen.

Auswirkungen der Kämpfermentalität:

Der Kämpfer verpasst die Schönheit im Leben.

 

Olympische Spiele 1992: Derek Redmond ist britischer Rekordhalter über 400 Meter.

Als er zu den Olympischen Spielen nach Barcelona fährt, hat er acht Operationen hinter sich. Seine Trainingszeiten waren aber sehr gut. Im ersten Qualifikationsrennen lief er Bestzeit. Alles schien gut zu gehen. Sieg im Viertelfinale und nur noch das Halbfinale vor sich. Es winkte eine Medaille im Endlauf.

An einem sonnigen Augusttag kniete sich Derek Redmond optimistisch in den Startblock. Der Startschuss fällt. Redmond geht die Strecke schnell an. Nach 100 Meter liegt er auf Platz 2, nach 200 Meter noch immer in Reichweite der Schnellsten. Bei etwa 250 Metern geschieht es. In vollem Lauf fängt er an zu humpeln und greift sich schmerzverzehrt an den rechten Oberschenkel.

Während die anderen Läufer unbeirrt in Richtung Ziel sprinten, fängt die Kamera das verzweifelte Gesicht des Verletzten ein. Redmond kniet auf der Bahn und weint. Aber plötzlich steht der Brite auf und beginnt auf einem Bein zu hoppeln. Erst 20 Meter, dann 30 Meter. Immer auf seiner Bahn Nummer 5. Es wird sogar noch dramatischer. Ein Zuschauer verlässt die Tribüne und rennt Redmond hinterher, der zwischenzeitlich die Zielgerade ansteuert. Ordner versuchen den Zuschauer aufzuhalten, doch der lässt sich nicht abschütteln. Als er Redmond erreicht, legt er dessen Arm um seine Schulter.

Der Zuschauer ist Jim Redmond, Vater des verletzten Wettkämpfers. Er will diesen Lauf gemeinsam mit seinem Sohn beenden. Er hat die Ordner wie lästige Fliegen abgeschüttelt und tröstet seinen Sohn. „Wir haben diese Karriere zusammen begonnen und ich dachte, wir sollten sie auch zusammen beenden“, sagt Jim Redmond später in die Fernsehkameras. Sein sprachloser Sohn steht immer noch neben ihm.

Dieses Bild von Vater und Sohn ist für mich zu einer Ikone geworden. Zu einem Symbol für die Frucht des Geistes, um die es vorliegend geht:

Frieden – und damit „Verbundenheit“.

Diese kostbaren Momente des Lebens verpasst der unerlöste Kämpfer!

Natürlich darfst du gewinnen wollen. Ich liebe es zum Beispiel beim Fußballspiel alles zu geben und zu siegen.

Wenn du aber das Leben als ein großes Kampffeld verstehst, bei dem du entweder verlierst oder gewinnst, wirst du irgendwann sehr einsam.

 

Wenn du einsam und verbittert sterben willst, lebe in diesem Kampfmodus. Trophäen und Pokale werden dich nicht umarmen, wenn du nach Haus kommst.

Die ausbalancierende Kraft in deinem Leben ist:

Innerer und äußerer Frieden

Die allgemeine Definition von Frieden lautet: Frieden ist ein heilsamer Zustand innerer Stille und Abwesenheit von Krieg. Es herrscht eine Atmosphäre von Freundschaft, Respekt und Verbundenheit.

 

Innerer Frieden fühlt sich gut an.

Wenn ich im Frieden mit mir selbst und anderen lebe, tut das meiner Seele gut.

Die geistliche Frucht des Friedens geht allerdings über deinen Rahmen hinaus. Sie umfasst auch die Fähigkeit und Bereitschaft, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

 

Jesus wird in der Bibel als „Friedefürst“ bezeichnet.

Sein Vorbild und Geist hat viele Menschen inspiriert, in Krisenzeiten mit Weisheit und Überzeugungskraft friedliche Lösungen zu finden.

 

Als Nelson Mandela schon zwölf Jahre im Gefängnis war – und fünfzehn weitere noch folgen sollten -, schrieb er seiner damaligen Frau: „Die Zelle ist der ideale Ort, um sich selbst kennenzulernen, realistisch und regelmäßig die Entwicklung der eigenen Gedanken und Gefühle zu erforschen …

Als er nach 27 Jahren Haft entlassen wurde und darauf hin erster Präsident eines demokratischen Südafrikas wurde, lud er zur Amtseinführung seine ehemaligen Gefängniswärter als Ehrengäste ein.

Man mag ihm politische Fehler vorwerfen, aber er war ein wahrer Friedensstifter.

Der Autor des Hebräerbriefes formuliert es energisch:

„Jagt dem Frieden nach mit jedermann“ Hebr. 12,14.

 

Warum ist diese Gabe und Frucht so wichtig?

Frieden beginnt in unserem Inneren und beeinflusst unsere Umwelt. Wenn der Zustand meines Herzens von Frieden geprägt ist, wird dieser Frieden natürlich meine Beziehungen und Tätigkeiten beeinflussen.

Ich werde Friedensstifter sein.

Bei weltweit aktuell 424 politischen Konflikten und 21 Kriegen ist diese Gabe auch mehr als notwendig.

weltweite Kriege

Diese Zahlen umfassen natürlich keine Nachbarschaftskonflikte, Beziehungskrisen oder Mobbingsituationen.

 

Der Pastor meiner Jugendzeit, du erinnerst dich vielleicht, musste während seines Dienstes einen ungelösten Dauerkonflikt aushalten.

Die Kirchengemeinde war in kompromisslose progressive und konservative Lager gespalten.

Wir Jugendlichen gehörten naturgemäß zum progressiven Teil. Wir strebten nach Erneuerung, und zwar auf vielen Ebenen. Wir waren auch Teil der Spannungen. Dieses Thema diskutierte ich häufig mit Klaus Lukoschus.

Obwohl er kein emotionaler Mensch war, nahm er feinsinnig sämtliche Zwischentöne wahr. Er litt sehr unter den Spannungen seiner Gemeinde.

Als er wieder einmal aus einer anstrengenden Kirchenvorstandssitzung nach Hause kam, sagte er seiner Frau, dass er sich ausruhen müsse. Er legte seinen Kopf auf ihren Schoß – und starb an einem Herzschlag.

 

Auch dieses tragische Erlebnis gehört zu meiner frühen Lebensgeschichte, die mich nachhaltig geprägt hat.

Dauerhafter Stress und ungelöste Konflikte rauben Lebensenergie.

Frieden hingegen bringt Leben hervor. Frieden ist ein Geburtskanal für Harmonie und Kreativität.

Aber wie bei einer leiblichen Geburt erfordert Frieden deinen ganzen Einsatz.

 

Jim Wallis, US-amerikanischer Friedensaktivist, berichtet von einem Schlüsselerlebnis. Unter schwersten Bedingungen protestierte er vor einer Atomwaffenfabrik in Colorado.

„Während dieser langen und ruhelosen Nacht war mein Kopf voll von Bildern jener Soldaten, die Jahrhunderte lang den Elementen getrotzt, Verwundung und Tod riskiert und buchstäblich das Leben gelassen haben, um Krieg zu führen. Dann dämmerte es mir. Weshalb sollten wir davon ausgehen, dass der Friede billiger zu haben sei? Was würde passieren, wenn wir mit derselben Disziplin, Opfer- und Leidensbereitschaft, die so viele Menschen akzeptiert haben um Krieg zu führen, „Frieden machen“ würden?

In dieser Nacht wurde mir klar, dass Friede nicht zu Stande kommt, weil er eine bessere Idee ist als Krieg, sondern nur wenn ihn eine hinreichende Anzahl von Menschen mit derselben Verbindlichkeit und Entschlossenheit verfolgt.“

 

Auch wenn Friede eine Gabe und Frucht des Geistes ist, bleibt er Aufgabe, die dich viel kostet.

Wenn du in deinen Beziehungen aktiv Frieden schaffst, handelst du in Übereinstimmung mit deiner wahren Natur, mit deinem eigentlichen Selbst.

Deine Identität in Gott festigt sich. Du nährst Frieden in dir und strahlst Frieden dadurch aus.

Ein Sprichwort besagt: »Ist Frieden in der Familie, ist Frieden im Dorf. Ist Frieden im Dorf, ist Frieden im Land. Ist Frieden im Land, ist Frieden in der Welt.«

 

Wenn du nicht in der Lage bist, in deinem Umfeld harmonische Beziehungen aufzubauen, erwarte nicht, dass Frieden auf der Welt herrscht.

Was kannst du praktisch tun. Nächste Woche, in nächster Zeit?

Jesus sagte: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten, aber du siehst nicht den Balken in deinem eigenen Auge?“

Er bringt die Wahrheit auf den Punkt. Die moderne Psychologie nennt das „Schattenarbeit“ oder „Projektion“. Du nimmst den Splitter des anderen nur wahr, weil das selbe Material – nur in erheblich vergrößerter Form – in dir ruht.

Warum vergrößert?

Weil es unbewusst ist.

Alles Unbewusste, hat große Kraft. Du wirst nie Zugang zu deinen dunklen und verborgenen Seiten bekommen, wenn du deine Feinde nicht lieben kannst.

Jesus hat es mit dem Frieden so ernst gemeint, dass er sogar von „Feindesliebe“ sprach.

Hast du einen „Feind“? Vielleicht ist diese Beschreibung zu extrem. Vielleicht kennst du aber Menschen, die dem nahe kommen. Zumindest wirst du eine Person vor Augen haben, die dir unsympathisch ist. Deren Charakter oder Persönlichkeit stört, nervt oder ängstigt. Jemand, mit dessen Meinung du große Mühe hast. Eine Person, in deren Gegenwart du dich nicht wohl fühlst.

 

Hast du jemanden vor Augen?

Dann erinnere dich an Splitter und Balken.

Es wird nicht einfach sein, die störenden Eigenschaften dieser Person in dir zu entdecken. Das ist auf der Verstandesebene kaum möglich. Hier ist körperliche Wahrnehmung gefordert.

 

Deshalb mein Vorschlag:

Begegnest du dieser Person, halte die Gegenwart bewusst etwas länger aus. Zieh dich nicht zurück. Du musst mit ihr weder in Urlaub fahren, noch intensive Gemeinschaft pflegen. Bewege dich aber für eine Weile etwas länger in deren Gegenwart. Und dann bete, dass Gott dir seinen Blick für diese Person schenkt.

Dann wirst du erleben, dass Gott mit dir spricht. Er wird sich sanft, aber deutlich auf jene Charakterzüge dieser Person aufmerksam machen, die in dir verborgen und unerlöst schlummern.

Wenn sich diese verborgenen Anteile offenbaren, bleibe mit Gott im Gespräch. Spüre die unendliche Annahme Gottes. Er liebt dich so, wie du wirklich bist. Das löst Freude, aber auch tiefen, tiefen Frieden aus. Halte ihn fest und lass ihn wirken…

„Nur was angenommen ist, kann verwandelt werden“

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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