Bist du in dir selbst zuhause?

By Jan | Achtsamkeit

Mai 06
im Körper zuhause sein

Das Gegenteil von Achtsamkeit ist Abgestumpftheit, Oberflächigkeit und Gleichgültigkeit. Auch können verschiedene Ängste verhindern, dass wir offen und wach sind. Denn es braucht auch Mut, um in uns hinein zu spüren.
Besonders wenn wir mit Stille Mühe haben, kann das eine Herausforderung werden. Es braucht die Bereitschaft, für ein paar Momente still zu werden und hinein hören – in mein Inneres, in den Mitmenschen, in das Gewissen, in die Stimme Gottes…

Achtsamkeit ist auch eine Form von Empfindsamkeit. Und wer empfindsam ist, der ist auch verletzlich und deshalb nicht geschützt und gepanzert vor dem, was weh tut.

Mutter Teresa Zitat

In unserer Zivilisation sind vielleicht eher Ellenbogen und eine dicke Haut gefragt. Wer „nach oben“ kommen will, muss einiges einstecken können und für den Kampf gerüstet sein.
Aber wenn ich mir einen Panzer anziehe, bin ich nicht fähig, ein Streicheln zu spüren, oder das Kitzeln der Sonnenstrahlen auf der Haut.
Ich höre nicht das Singen der Vögel und die Freude oder das Leid hinter den gesprochenen Worten.

Wenn ich Achtsamkeit – und damit Empfindsamkeit wage, werde ich nicht nur fähig, mich anderen zuzuwenden und sie zu lieben, sondern ich werde auch fähig, mich selbst lieben zu lassen.
Für eine wirkliche Begegnung mit anderen Menschen muss ich „unbewaffnet“ sein. Nur dann ist Berührung und eine gewisse Intimität möglich. Dann kann ich Glück empfinden.
Ich wünsche dir, dass du im Alltag für die kleinen und unscheinbaren Dinge offen und empfänglich wirst und dich dadurch auch für andere Menschen öffnen kannst. Dann kannst du sie freier und unvoreingenommener wahrnehmen. Das ist der Weg zu mehr Leben und mehr Glück.
Für die nächsten Tage geben wir dir eine besondere Übung mit, die diese Grundhaltung fördern kann:

Achtsames Wahrnehmen des Körpers

Vor vielen Jahren hatte ich (Jan) mich  zu einem Eutonie-Kurs angemeldet. Ich hatte mich in die Thematik schon eingelesen, aber WIE so etwas abläuft, davon hatte ich mir keine Vorstellung gemacht!
Bei der Eutonie geht es um die gute Spannung:

Eu = gut, Tonos = Spannung.
Die Idee ist, durch das Erspüren des eigenen Körpers ein feineres Körperbewusstsein zu bekommen und dadurch das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu erweitern.
Wahrscheinlich war der Kurs für wirkliche Fortgeschrittene gedacht, denn ganze 5 Tage lagen wir für mehrere Stunden auf dem Boden, sprachen nichts und haben den lieben langen Tag unter Anleitung unsere verschiedenen Körperteile wahrgenommen…
Schon damals hatte ich einige Erfahrung mit Meditation, Kontemplation, Wahrnehmungsübung – aber das hatte mich dann doch an eine Grenze gebracht.
Das Konzentrat dieser Woche habe ich mir jedoch über die Jahre in den Alltag geholt.

Es ist die Body-Scan-Methode.
Normaler weise braucht man für diese Übung ca. 20 – 40 Minunten. Ich habe es jedoch für mich auf tatsächlich 1 Minute reduziert. Somit kann ich es regelmässig in den Alltag integrieren. Probiere es aus.

In einer Minute gehst du mit deiner Wahrnehmung durch deinen Körper – von unten bis oben.
Jon Kabat-Zinn, der sich mit der medizinischen Seite der Wahrnehmung beschäftigt, schreibt folgendes:
„Wenn wir unsere Energie einmal darauf richten, unseren Körper wirklich zu spüren, und uns davor hüten, in das urteilende Denken über den Körper zu verfallen, kann sich unser ganzes Körpererleben und das Erleben unserer selbst in radikaler Weise verwandeln“

Da es nicht so einfach ist, im laufe des Tages sich auf eine Matte zu legen und in die Körperwahrnehmung einzusteigen, bietet sich der Morgen an – und zwar, bevor du aufstehst!

Probiere diese Übung in den kommenden Tagen folgendermaßen aus:
Bevor du aus dem Bett steigst, bleibst du einfach 1 Minute länger liegen und tust dir selbst etwas Gutes.
Du wanderst mit deiner Aufmerksamkeit durch den ganzen Körper.
Beginne beim kleinen Zeh im linken Fuß, wende dich dann der Fußsohle, der Ferse, dem Fußrücken und dem Knöchel zu, während du in jeden noch so kleinen Bereich hinein und wieder aus ihm heraus atmest und auf alle Empfindungen achtest, die du dabei spürst. So tastest du dich durch deinen ganzen Körper und versuchst, mit jedem Körperteil, auf das du deine Aufmerksamkeit richtest, eins zu werden. Du musst nicht bei jedem Körperteil gleich lange verweilen – Hauptsache ist, dass du für ca. 1 Minute ganz präsent in deinem Körper bist.
Mehr musst du gar nicht tun. Vertraue diesem Prozess.

Wenn du diese 1 Minuten-Übung ein paar mal morgens gemacht hast, wirst du merken, dass sich ein neues Körpergefühl einstellt. Du kannst vielleicht etwas mehr staunen, wie unfassbar komplex dein Körper ist. Er ist energetisch wie ein hochsensibles Mobilé aufgebaut. Wenn du ein Körperteil in seiner Lage veränderst, löst du zur gleichen Zeit einen Impuls aus, der durch deinen gesamten Körper geht. Wenn du diese Energieströme etwas mehr wahrnimmst, wird dir das helfen, auch tagsüber mehr in diesem Augenblick ganz da zu sein.

Diese Übung heilt uns, macht uns ganz, weil unser Geist nachhause kommt und mit dem Körper beisammen ist.

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Bist du in dir zuhause?

Dauer: 6:78 min.

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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