Achtsamkeit – nur etwas für Frauen? Überlegungen eines Mannes

By Jan | Achtsamkeit

Feb 03
Mann und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist inzwischen in vielen Gesellschaftsschichten angekommen, hat aber manchmal immer noch noch den Beigeschmack von „spirituellem Strebertum“:

Roibusch-Tee trinken während im Hintergrund leise Meditationsmusik rieselt – und dann tief in mich hinein hören….

Und nicht zuletzt: irgendwie klingt Achtsamkeit doch sehr feminin, oder?

Wo ist John Rambo? Im Achtsamkeitsseminar….

Das passt irgendwie nicht.

Achtsamkeits-Literatur steht in der Regel nicht in der Kampfsportabteilung sondern zwischen Anleitungen von Channeln, Erzengeln und Erziehungsratgebern für das Innere Kind.

Es ist leider nicht so einfach, dieses Thema gut „an den Mann“ zu bringen.

Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass wir Männer stärker auf das achten, was wir machen können.

Das sitzt tief in unseren Genen.

Männer sind nicht achtsam, sondern auf der Jagd, oder beim Sport.

Auch ich liebe es, etwas zu verwirklichen, für etwas zu kämpfen, etwas „machen“. Das ist ein wichtiger Teil in unserem Leben.

Aber genau so gibt es die Momente, in denen wir nichts tun können. Wo das „Machen“ kontraproduktiv ist.

Bestes Beispiel ist der Schlaf.

Vielleicht kennst du das. Ich bin früher super schnell eingeschlafen. Mein Kopf hat das Kissen gespürt und ich war weg. Herrlich!

Inzwischen bin ich da sensibler geworden. Ich brauche länger zum einschlafen. Manchmal liege ich eine halbe Stunde wach und je mehr ich mich anstrenge desto weniger geschieht es.

Erst wenn ich loslasse und innerlich den Kampf ums Einschlafen aufgebe und dadurch entspanne, kommt der Schlaf.

So gibt es Zeiten im Leben, bei denen der Erfolg eintritt wenn wir uns hochkonzentriert für etwas einsetzen. Alle Kraft lenken wir wie in einem Brennglas auf einen Punkt.

Aber genau so gibt es Momente und Lebensbereiche, in denen wir nur weiterkommen, wenn wir loslassen.

Wenn wir nicht aktiv werden, sondern in eine empfangende Haltung kommen.

Die entscheidenden Dinge kommen in mein Leben, ich kann sie nicht machen.

Das ist inzwischen meine Überzeugung. Und dafür brauchen wir Achtsamkeit.

Jetzt meine Frage:

wann hast du das letzte mal nichts gemacht. Ungefähr 10 minuten – NICHTS. Also auch kein Video geschaut, oder über die Zukunft nachgedacht.

Nur da gesessen und wahrgenommen. Wahrscheinlich ist das etwas länger her.

Wenn wir diese Momente des absoluten Nichts-Tun erleben, dann befinden wir uns in einem klarem Bewusstseinszustand.

Und wenn ich über unser „Bewusstsein“ spreche, dann meine ich damit die Fähigkeit, mich selbst und die Welt um mich herum wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Ohne diesen Filter, der beständig im Unterbewusstsein meldet:

mag ich, mag ich nicht.

Find ich gut, finde ich nicht gut.

„Glück ist das, was gerade geschieht, abzüglich unserer Meinung darüber.“

Wenn wir auf diese Weise wahrnehmen, dann sind wir ganz in diesem Moment. Und unser Bewusstsein ist sehr klar.

Durch unser Bewusstsein nehmen wir die Welt um uns herum war. Unser Bewusstsein ist der Filter, der entscheidet, ob wir trübe, negative belastende Gedanken haben, oder ob wir kreativ hoffnungsvoll und kraftvoll drauf sind.

Und immer wenn wir in diese Form der Achtsamkeit kommen, wird unser Bewusstsein gereinigt und aktiviert.

Leider tun wir das sehr, sehr selten.

Wir nehmen uns mehr Zeit zum Reinigen unseres Autos als zur Reinigung unserer Gedanken, unsere Seele – unseres Innenleben.

Das Ergebnis ist:

wir sind gestresst.

Und wir versuchen, uns noch aktiver einzusetzen um etwas zu erreichen. Unsere Gedanken sausen die ganze Zeit durch unserem Kopf und wir sind nicht gegenwärtig.

Der beste Praxistipp um in größere Klarheit zu kommen:

Die Achtsamkeitsmeditation.

Hier geht es nicht darum, unsere Gedanken zu stoppen.

Es geht erst einmal darum, die Gedanken in mir wahrzunehmen ohne sie zu bewerten. Und das ist nicht einfach. Denn wenn ich still werde, dann bemerken ich auf einmal, wie viele oftmals unnütze oder einfach wiederkehrende Gedanken in mir sind. Ein Gedanken nach dem Anderen – wie die berühmten Affen im Urwald.

Also das, was die ganze Zeit oft unbewusst in mir geschieht, nehme ich auf einmal wahr. Und das ist erst mal nicht so angenehm. Aus diesem Grund hören auch viele mit dieser Übung leider auf.

Der Schlüssel:

Durchhalten!

Nimm dir 5 – 10 Minuten am Tag Zeit und komme in die Hubschrauberperspektive. Nimm einfach wahr, was geschieht. Vielleicht bemerkst du einen Gedanken, der sich besonders oft wiederholt – und dann sag:

„aha, da ist dieser Gedanke“ – und dann lass ihn wie ein Schiff auf einem Fluss weiterziehen.

Oder du erlebst ein bestimmtes Gefühl und sagst innerlich: „aha… da ist dieses Gefühl“. 

Es darf da sein. Es ist jetzt gerade da, aber es vergeht auch wieder. Ich bin nicht das Gefühl.

Wenn du auf diese Weise regelmäßig Achtsamkeit praktizierst, wird dein Inneres immer klarer werden.

Du bekommst stärkeren Zugang zu deinen Gefühlen und zugleich einen etwas größeren Abstand zu deinen Bewertungen.

Also deine inneren Urteile über Menschen, Situationen und Erlebnissen.

Das ist noch nicht das ende der Reise, aber vielleicht helfen diese Gedanke, um in dieses Thema einzusteigen.

Als Mann.  Und als Frau 😉

 

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About the Author

Jan von Wille, leitet zusammen mit seiner Frau Susanne die Akademie für Lebenskunst und Leaderschip. Themen wie Achtsamkeit, moderne Spiritualität und Unternehmertum

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